TRAUMA (erstes Fragment)
Es ist mir unmöglich zu lesen. Es ist mir unmöglich zu schreiben. Das Auge hüpft stets nach unten, nach oben, läuft rückwärts und lässt mich im Stich. Nach Mühsal nahe dem Ende des Textes höre ich auf, und stelle mir vor wie es wohl enden mag. Was da FOLGEN mag. Ich stelle mir vor, dass da nichts ist, weil da von Beginn an NICHTS war. Ich bin der optischen Agnosie anheimgefallen, sehe eine wuselnde Versammlung der Regelmäßigkeiten und Brüchen. Ich schaue auf die Seite und sehe ein Signalmuster. Das Auge bleibt am Wort hängen und setzt es an der nächsten Tankstelle schon wieder aus. Man kann adoptieren, weil das Geschreibsel ein Säugling ist. Man kann Gefüge verschrauben und auf eine bestimmte Geschwindigkeit bringen. Manchmal reicht es für den Traktor, im Unort der vektoriellen Bewegung des Auges abgestorben, manchmal ist man auch schon längst am Ende angelangt. Die Etablierung einer neuen Leseart ist notwendig, wie Texte gescannt und abgesucht werden. Da Anfang und Ende in der Implosion der Möglichkeiten zusammenfallen. Die Schrift wird nun quantifiziert, in Maßeinheiten geteilt und tritt als Momentaufnahme, als ein Innehalten in flüchtigen digitalen Prozessen in Erscheinung. Ein Snapshot. Der Druckabfall auf der Buchseite verursacht eine neue Zusammenstellung. Eine Geschichte schreibt sich nun selbst, wie Schichtungen einer Dühne. Es entsteht Tempo und Geflecht. Das lesende Auge ist nunmehr Schnellschussapparat, knallt oben rechts hin und sucht in der Mitte die erlegte Beute.
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