rezension artinvestor

was geht einem auf die schnelle durch den kopf, wenn man aus dem regal (vielleicht zum ersten mal, vielleicht hat man sich noch geziert) eine ausgabe des magazins Artinvestor fischt und erwartungsvoll in die hand nimmt? kommen nicht wie auf knopfdruck die bilder von stinkereichen industriellen, die ihre einsamkeit an der spitze, ihr geld mit profanen und trockenen kalkulationen verdienend, mit einem schönen bild im büro einwenig lindern wollen- ihr graues brot mit einer herzhaften scheibe schillernder, extravaganter aura belegen wollen? nun, die antwort auf diese frage lautet schlicht und ergreifend: nein.

vielmehr, ohne zuvor eine komplette ausgabe durchgeackert zu haben, hüpfen vorstellungen von investoren, die kunst wie jede andere wertanlage einkaufen und abstoßen in meinem kopf umher, und drehen sich schon wieder angewidert ab vor dieser symbol und kapitalsüchtigen seifenblase, die an ihrer dünnen außenseite unsere lebenswelt reflektieren möge. nur dieses eine mal, in dieser ausgabe des magazins selbst. in den buntesten regenbogenfarben nämlich. und am cover des Artinvestors sehe ich geradewegs den feuchten traum jedes klischeealchemisten: einen im discokulgel-stil gearbeiteten goldvorhang.

dieser scheint auf der front des magazins den möglichen inhalt für den erlesenen kunstgourmet, ein für allemal verhüllen zu wollen. wer das cover lieber lesen als beäugen möchte, ließt sogleich die webadresse www.investinstyle.com, darunter ein pinker stern in dem “jetzt neu! shop 10 seiten” steht. darunter der teaser auf den schwerpunkt “kunst die glänzt”. und schon höre ich wieder auf, die oberflächlichkeit des kunstmarktes in den dreck zu ziehen, wie unnötig ist das denn? wer braucht denn sowas? aber trotzdem fallen bemerkenswerte inhalte auf, muster und patterns die sich exemplarisch zu einer medialisierten wie pankapitalistischen erde verhalten, als wäre diese, in einem einzigen magazin kondensierte logik ein kleiner mikrokosmos in sich. nicht etwa ein ansatzpunkt, diese welt auf einen schlag einwenig besser zu verstehen. kunst selbst? nein, das darf einfach nicht!

hinter dem erwarteten schleier an artikeln über keith haring, luxuriöse uhren und regenschirme, aus dem boden gestampfte kunstresavate in den arabischen emiraten, alles unterfüttert mit steigenden und fallenden kursen an angesagten künstlern, zeigt sich der, wie ich es nenne “quantische charakter” einer globalen sinnproduktion. ein lichtteilchen hat ja angeblich keine immanten eigenschaften, denn diese entstehen erst bei einer untersuchung selbst. die messung beeinflusst das ergebnis, das ist klar. aber es geht um mehr. wie der chefredakteur in einer britischen fernsehserie einst meinte: idiots will think its cool, smart people will think its a joke. trennen sich in diesem heft vor meinen augen zeichen von dem was sie einst bezeichnen sollten.

die form löst sich vom inhalt, und erstaunlich gelassen bleibe ich, finde es weder gut noch schlecht. das ist eben so, die passivität ist nun mein bodyguard. macht wird während des blätterns zur permanenten präsenz der bilder, und diese macht entsteht nicht durch das gezeigte, sondern die präsenz der bilder an sich. was geht da vor im artinvestor? habe ich in den artikeln, in denen es aus anlass zumeist um die finanzkrise geht, funken der selbstironie gelesen? wird da mit einem augenzwinkern dekadenz und geschmückte oberfläche in alle höhen gejubelt, derartig bierernst, dass mir alleine überlassen bleibt, ob ich diese affirmationen für voll nehme, oder ein kleines laster wie das sammeln von fabergéeiern für verschroben, aber doch so überaus charmant erkläre. es dreht sich in diesem magazin um eine reine illustration von sachverhalten. welche ist unklar, denn man hat schließlich kein fachblatt vor augen. mehr eine leichte illustierte, die nebenbei konsumiert und in den richtigen händen zu impulskäufen verleiten darf, denn wie ich in einem beitrag lese sind yachten, villen und privatjets sowas von yesterday.

wer drinnen ist, wird eingekauft. wer nicht, nicht. der Artivestor stellt seine leser als ahnungslose idioten dar, oder versucht eben die kronenzeitung der superreichen zu sein. 5 minuten zeit zwischen zwei meetings, ist ein blick in den investor wohl spotlicher als eine filterlose zigarette. all das und noch viel mehr darf man sich großherzig aussuchen. der text wird ein muster. er mag reines pattern sein, in das die namen der künstler unauffällig untergehoben sind, wie die markenjean im hintergrund einer friends folge.

wer im Artinvestor auftaucht hats gut, aber eigentlich heißt es: besser. denn wer hier vorkommt ist tot oder hats zumeist eh schon gut. experimente sind, sagt der billa wie der hausverstand, nichts zum investieren und was man kennt ist bestimmt von wert. aber hätten wir uns das alles nicht denken können, als wir die ausgabe aus dem regal genommen und vorbildlichst jedes glitzern und glänzen darauf bemängelt haben…

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