dreamy

Ich bitte an dieser Stelle einen Altweiberherbst zu visualisieren. Einen wunderschönen Nachmittag. So schön, dass genau genommen schon kitschig. Da kommen vor: Lauwarme Brisen, spielende Kinder, alte Damen inklusive Kläffern, alles drum und dran. Nun zum Pathos: Dem nahenden, sich am Horizont schon bernsteinfarben abzeichnenden Abend, pfeifen die Vögel ein relativ sanftes Willkommen. Auch der Hausmeister pfeift. Allerdings energisch und seiner Frau. Am Balkon, in einem Klappstuhl sitzend versuche ich mit aller Kraft ein Gulasch zu verdauen. Lieb gemeint war mir die ungarische Spezialität von meiner Tante vorgesetzt worden. Als höflicher Neffe natürlich in mich hineingeschaufelt.

Zufrieden rekle ich mich auf dem Diwan. Im doppelten Sinn wurde es am Balkon zu windig. Das Wohnzimmer meiner Tante. Wie der Bauer sagt… schrecklich. Ende nie geschmacklose Jugendstilmöbel. Die grauenhaften, goldberandeten Porzellanfigürchen, Pferderln, Katzerln, Kinderln. Schmatze verschlafen. Versuche mich auf mein Verdauen zu konzentrieren.

Es ist mir, als wispere die Brise draußen am Balkon ein Liedchen. Zart. Kaum hörbar. Ich versuche der Faulheit noch eins draufzusetzen und schnalle den Gürtel weiter. Eine Minute vergeht. Das Gesumsel ist aber immer noch da. Es wird sogar lauter. Ich sollte aufhören so derb zu fressen. Plötzlich scheint das Gehörte nicht mehr von draußen zu kommen, vielmehr grölt es laut hinter dem Diwan. Kalter Schweiß aus meinen Poren. Es ist die greise und zittrige Stimme eines Mannes. Wer zum Teufel ist das, der da senil nach Worten ringt um sie danach durch den Raum zu klatschen. Mit Angst geweiteten Augen sehe ich die Gestalt hinter dem Diwan hervorkriechen. Fett und verwirrt scheint sie etwas zu suchen. WWWo…. sinnnnd denn jetz diiie SSchwammmerlnnn! raunt die Gestalt in den muffigen Teppich. Es durchzuckt mein Hirn wie Parkinson. Ich sehe sein Gesicht in der Abendsonne. Es ist der aus Funk und Fernsehen bekannte Schauspieler Otto Schenk. Was zur Hölle macht Otto Schenk da am Boden? richtig: Schwammerlsuchen.

Ich sagte mir einfach, dass es überhaupt nicht schwer sein kann mit einem harmlosen Gesellen wie Otto Schenk fertig zu werden. Man sagt ihm etwa: He…, die Schwammerln sind da drüben! Den lieben Otto in geheime Pfifferlingpläze einweihen. Doch als hätten sie nur auf ihr Stichwort gewartet, springen Muliar und Elfriede Ott aus dem Schrank. Leiber mit Spinnweben und Aphorismen behangen. Ächzen hölzern eine bekannte Nestroypassage. Nach jedem Satz sehen sie mit geweiteten Augen zu mir herüber um auf eine Pointe hinzuweisen….. es ist schrecklich!

Fritz Muliar lüftet nun immer und immer wieder seinen Hut. Auf und ab und auf und ab … flapp, flapp, flapp, wie diese Blechspielzeuge zum Aufziehen. Eine Wolke aus Lurch verhüllt die befremdliche Szene. Aus der Wolke hört man deutlich einen Otto Schenk nach Pilzen greinen, Fritz Muliar den Hut lüften (flapp) und Elfi Ott einen Schwank zitieren. Schaue auf die Uhr. Laut Programm noch eine halbe Stunde. Einige Minuten vergehen. Ich liege nach wie vor da, bin merkwürdig gelassen. Fast mit Gleichmut die Siluetten der Lurchwolke registrierend.

Als sich die Wolke nach geraumer Zeit legt, muss ich feststellen, dass sich ihre Zahl nicht verringert sondern verdoppelt hat. Auf einmal kiefelt da noch Helmut Lohner am Jugendstiltischbein. Ossi Kollmann besäuft sich mit spontan gefundenem Marillenbrand und eine die ich nicht kenne, versucht einen Porzellanbello zum Scheißi machen zu bewegen. Mich verwundert nicht, als der alkoholisierte Kollmann den armen Helmut Lohner zu kitzeln, ja zu penetrieren beginnt. Muliar versucht den vergessenen Text mit einer dramaturgischen Pause zu überspielen. Sie scheint den Bello zum Beischlaf zu drängen.

Spät aber doch entlockt mir die Szene ein Gefühl. Mir entkommt ein Kichern. Das Kichern (ich bin völlig hilflos) entbrennt zum schallenden Lachen. Die Lieblinge halten inne und schauen auf.. Wie wahnsinnig. Nach Luft japsend, wälze ich mich auf dem Diwan. Zwerchfell zum Klumpen verkrampft. Die österreichischen Originale nicht länger vom Inventar abzuheben. Mit Raunen wanken sie auf mich zu. Asche auf Haupt, Spaß zu Staub. Ein Schrei entfährt meiner wunden Brust. Er zerfetzt den Raum in tausend Splitter. Sie pulverisieren sich. Rasen in einem gigantischen Tornado zum Fenster. Rauf in den roten Abendhimmel. Auf dem Diwan. Mageninhalt revoltiert. Wach

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