the sim of sims
Indem wir die Möglichkeit gewinnen unsere Kultur durch das Bezugsystem einer totalen Simulation zu betrachten, enthüllt sich erst ihr wahres Wesen. Das nämlich der rituellen Nachahmung und des allgemein kultischen Charakters einer sozialen Sinnfabrikation. Unsere Kulturen als Ganzes zeigen sich dann als nur eine Möglichkeit unter Vielen, die aber durch ritualisierte Wiederholung aus purem Selbstzweck aufrecht erhalten werden (siehe Funktionssysteme Recht, Kunst, Wissenschaft, Bildung etc). Unsere sozio-ökonomische Wirklichkeit, von der wir dachten sie hätte ikonischen Charakter, wird rein symbolisch. Die Bänder zwischen Bedeutung und Zeichen werden gekappt, übrig bleiben dann Gurus und algorithmische Erfolgsversprechen, schon wenn es um ganz alltägliche Tätigkeiten geht. Eine gesellschaftliche “Realität” kann dann nur noch eine Simulation der Simulation sein, wie schon Häuser gebaut wurden wie Vitruvius sie beschrieb oder Menschen sich Vorgartenhäuser in Second Life bauen um sich später in Idaho daran zu orientieren. Systeme des Alltags werden zum Kunstprodukt (durch die Erfindung von Skelettprozessen die sich nur etablieren, da sie einen gewissen Erfolg zeigen, siehe Cargo Cult Programming). Wie an der Börse verhält sich dann ein globales System (das im Grunde nur auf sich selbst reagiert) nach den Mustern an die wir glauben oder eben nicht bzw. ihnen Kausalität nachsagen. Es ist der Mann, der jeden Tag zur Arbeit fährt und irgendwann bemerkt, dass er schon vor Jahren gekündigt wurde und das Klo auf dem wir scheissen schon längst auf ebay verteigert ist. (McLuhan “the old medium becomes the content of the new”, Baudrillard “frei flottierende signifikanten (tausch-gebrauchswert), Cargo Culte “rituelle simulationen von technologien”, weibel “gerichtete/ungerichtete Graphen” und Virilio “ästhetik des verschwindens” usw)
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