Rituelle Simulationen

In Polynesien gibt es seit langer Zeit Cargo Kulte, bei denen die ansässigen Stämme riesige Flugzeuggerippe aus Ästen bauen, Funkgeräte aus Holz schnitzen, symbolische Landebahnen in den Sand legen und die Ankunft des Serviceman John Frum erwarten. Die Ethnologie nennt so etwas sympathetische Magie. Oder auch: oberflächliches Übernehmen von Codes, ohne tieferes Wissen der Funktionsweise. Einst hatten US-Soldaten dort ihre Stützpunkte und erhielten Hilfspakete von oben, besaßen Technologien die sie selbst nie verstehen würden. Das Cargo soll nun abermals von oben kommen. Wir können schnell darüber schmunzeln, und bald stellen sich die Cargo Kulte als ein Trojanisches Pferd unserer Kultur selbst heraus. Nicht nur wegen der Massen an Touristen, die tatsächlich auf Vanuatu angeflogen kommen, um die Einheimischen für die exotischen Spektakel (womöglich mit iPhones)  zu entlohnen. Sie indizieren eigene Werte, besonders die der Technologien, als rituelle Vektorgitter. Nur dass sie im Fall der John Frumers eben anständiger funktionieren als so manches Interface, das uns die unendliche Komplexität beruhigend nachvollziehbar erscheinen lässt. 

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