Ein geostationärer Engel diktiert:
Blicke als Produktion
Wenn ein Komiker sagt: Der Darm ist ein Zauberer, denn er verwandelt Essen in Scheisse, ist er näher am System des Kunstbetriebs als er glaubt. Da treten jetzt Auftraggeber an die Kunst heran, um ihr eine klare Aufgabe zuzuteilen: das Gewöhnliche an Alltag in sich aufnehmen, um es später zu einer relevanten Neuartigkeit zusammenzusetzen, oder “ästhetische Information” zu generieren. Als der umgekehrte Vorgang eines Verdauungsprozesses wird Normalität durch die trainierte Wahrnehmung der Künstlerschaft zersetzt und als institutionelle Erhabenheit in Museen geschissen. Bleibt dem was wir als Kunst bezeichnen, im Angesicht der Globalität und der sogenannten Ökonomie der Aufmerksamkeit eine andere Wahl? Eine andere Wahl als den Konsum selbst als Form der Produktion anzuerkennen, die Augenbewegungen schon als legitimen künstlerischen Ausdruck zu betrachten? Es dreht sich immer um die Frage nach einem Michaelangelo ohne Hände und ob er heute mehr sein kann als der besagte Pflegefall. Eines steht fest: Wahrnehmungsmuster an Kuratoren und Künstler haben anerkannte Kraft Kunst in Scheisse und kulturellen Müll zurück in Kunst zu verwandeln, wer das Spiel um die bessere Aussicht gewinnt darf dann Sichtweisen zu Geld machen. Wenn die Blicke der Kunst heilsam über die Verwertungslogik schweifen…
Systeme als Arbeitsauftrag
Die Kunst ist abgegeben, der Künstler kann keine Kunst machen, er kann nur Situationen und Systeme schaffen, in denen die Möglichkeit einer kunst gegeben ist. Wo für einen kurzen Augenblick Unvorhersehbares geschieht und sofort wieder verlöschen darf. Wie auch das Gehirn keine Produktion selbst ist, sondern ein System in dem durch ein Zusammentreffen von elektrischen Impulsen, Neurotransmittern usw eine Idee zustande kommt, welche weitere Situationen schafft und bis zu einer materiellen Ausformung kommen kann. Da Kunst selbst zu einer Umwelt und einem proaktiv-kollektiven Angelegenheit wurde, muss das starre Produkt, die fertige Arbeit scheitern. Es ist wie ein Sandkorn in einer Welle. Die Kunst macht sich schon lange einfach selbst, der Künstler kann mögliche Systeme und Vorraussetzungen schaffen, unter denen sich die Kunst optimal oder in bestimmten Formen selbst verwiklichen kann, ohne dass wir den Anspruch verfolgen, das Ergebnis kausal und widerholbar zu analysieren. Als Regel kann man sagen: je besser das Ergebnis desto unmöglicher wird die systematische Wiederholbarkeit. Dadurch wird sich die Kunst von der Wissenschaft unterscheiden. Wir können nur noch Systeme der Kunst selbst dazu bringen Ideen zu haben, indem wir Voraussetzungen schaffen. Dann können wir auch arbeiten um sie vielleicht punktuell zu konservieren und formal zu verwirklichen. Für die Museen und Sammler
Sprache als Prozess
Worte haben immer entweder feste Gegenstände bezeichnet oder Konzepte die eine Fülle von diesen enthalten können. Eine medialisierte Umwelt ist schon jetzt von Neologismen überwuchert, die nur eine Elite festigt und Viele abschreckt. Die Angst vor überinflationären Aufgüssen und medial generierten Hypes mit ökonomischen Interessen ist gegenwärtig. Eine medialisierte Kultur ist einer permanenten Umwälzung/Kompostierung und Neuvermischung unterworfen, sie ist ein dynamischer Prozess an Kultur und benötigt ein anderes sprachliches Bezugsystem. Die “vivale Kultur”, die binäre Definitionen durch Worte ablehnt, denn die Sprache die wir zur Verfügung haben ist nicht geeignet Inhalte einer Umwelt wie die elektronische zu beschreiben. Sie kann es sehr zeitlich begrenzt, muss aber scheitern. Sie entstammt alten zeiten. Ein Wuchern von neuen Wörtern ist die Folge, es wird aber zu anderen Kommunikationsweisen kommen, in denen etwa Vorgänge, Characterdinge, verbale und nicht objektive Sprachen sind, nicht der Baum, es Baumte. Es wird redundant gewisse isolierte Einzelheiten zu bezeichnen und damit festmachen zu wollen: Musikrichtungen, Medienformate, Genres, Stile, Einzelphänomene…. was kommuniziert werden muss, ist ein Vorgang, ein “Passiert-sein” und eine Weise. Keine Singularitäten, von denen man als bleibende Angelegenheiten spricht, die schneller dispersiert sind als sie mit Worten definiert, in eine Form gegossen wurden. Eine Morphik der Sprache muss her. Ein Gegenstand wird nicht mehr zu seiner Relation zu einem anderen definiert, sondern in seinem Entstehen und Vergehen, seiner Genealogie in und von anderen Wesensarten.
Waren
Erst wurden am Fließband gleichförmige Waren produziert und durch Freud an den Mann gebarcht. Dann kam die Individualisierung, die den Konsum als Ausdruck einer Individualität betonte und die Selbstverwirklichung durch Waren förderte. Eine der Botschaften der global-digitalen Kultur an das Selbst, ist die der Partizipation und die Rekombination, ganz abgesehen von einer instanten Vielfalt des Angebots. Weswegen die Megakonzerne fallen müssen oder die zivile Produktion an Kulturgut und Waren unterbinden, indem sie die Konsumenten ihre eigenen Waren zusammenstellen lassen. Mehr VOR dem eigentlichen Produktionsprozess, denn an einer Rekombination bereits vorhandener Teile verdient Niemand besonders viel. Komplette Customasizion auf Bestellung, und der Kunde soll zu Produzenten werden, indem er die eigenen Produkte macht. Aber nicht selbst herstellen muss. Die “besten” werden dann zu Rolemodells, die unkreativen Konsumenten können die dann auch in Massen haben. Auch funktionieren könnte das Prinzip der Hypestocks, es wird auf Massen produziert, dann werden Hypes generiert und jener der fruchtet, wird auf den Markt geworfen. Aber das ist sicher schon so.
radikales Forschen
Der Computer ist kein Werkzeug, er ist zum einen eine Frucht aus tiefen Sehnsüchten nach Nähe und Transzendenz, zum anderen eine alles verschlingende Umwelt. Wer bemerkt dass Metaphern und Lebensumstände eine Resonanz dieser Technologie sind, kann nicht ernsthaft alte Traditionen mit dem Chip als Verbesserungstool fortführen, das zeugt von Ignoranz und dem Verweigern, dass der Künstler unsichtbare Welten sichtbar machen kann, um hinter die Fassaden des Digitalismus zu sehen. Teleprothesen machen unsere Welt die aber unsichtbar, des Kaisers neue Kleider für Profit und Macht werden. Die Aufgabe als inverser Röntgenapparat ist, nicht durch feste Gegenstände sehen, sondern Wellen, Daten und Mechanismen in anderem Aggregatzustand kristallisieren zu lassen, auf die gelungene Verschiebung der Landkarten gegeneinander kommt es an. Alte Muster wie Staaten, Schulen, Firmen sind dabei zu Cargo Kulten zu werden, müssen in dieser Entwicklung scheitern. Die Kunst bringt neue Zugänge durch radikales Forschen und Kurzschlüsse zwischen den Systemen. Keiner muss an Atome glauben, jeder wird hier zur Institution, die Auffassung geostationärer Engel, vektorisierter Erlösungsstrukturen und Betonwellen wollen etabliert werden. Subjektivieren wir alles, beuten wir das Vakuum zwischen Technologie und Kunst aus bis nichts mehr über ist. Eine Singularität kann sich nicht selbst verarschen, alleine dafür brauchen wir uns als verwirrte Biomassen, Schimmel auf sterilen Oberflächen um nicht in unserer eigenen Weltkulturkloake zu ersaufen. Picknicken wir am Fußballfeld der Verwertungslogik und brechen Nutzungsdikdate aller Technologien, um die Ästhetik kümmert sich dann schon die Wirtschaft.
Kunst und Natur
Digitale Medien integrieren alle bisherigen Medien in sich, Film, Musik, Text, Bild, weswegen sie außerhalb des virtuellen Kosmos sichtbar und zur Kunstform werden. Nicht als Inhalt sondern als mediale Datenträger. Wenn das Fernsehen kommt wird Kino zur Kunstform, wenn der Computer kommt werden alle Medien zur Kunstform. Besonders ist davon die Mechanik, die Technik betroffen, denn in der Postindustrie werden sie zu stillen Giganten, die nicht mehr wie bisher als Kunst sondern als Natur erscheinen. Die Grenze zwischen Natürlichem und Künstlichem war schon immer müßig, denn die Muschel des Einsiedlerkrebses und die Bienenwaben müssen in dieser Konsequenz Technologie, oder Medien sein. Nun wird die Maschine zur Natur, im Kontext des Digitalismus erscheint sie klar und aus unser Natur gewachsen wie das Leben aus den toten Felsen der Erde. Bisher war die materielle Welt künstlich, im Gegensatz zu einem Baum, aber keineswegs Kunst. Das Design ist da ein Asylant zwischen den Welten, jetzt finden sich Gegenstände/Technik in der paradoxen Situation gleichzeitig zur Kunst zu werden und als unsere wirklichen, nach außen gestülpten Naturen darzustellen. In letzter Konsequenz ebnet das den Weg zum Cyborg, der als unsere Natürlichkeit gilt, um an der künstlichen Welt, also Kultur teilzuhaben. Dasselbe gilt für die Gestaltung des Lebens selbst als Technologie, etwa bei Nanotechnologie und Transgenetik. Die Metaphysik unserer bisherigen Kultur ist abgesaugt und hat sich virtuell verselbstständigt, übrig bleibt das Zusammenfallen im Materiellen von Kunst und dem das wir als Natur bezeichnet haben.
Global Players
Die Arbeit ist verschwunden, übrig bleibt das globale Spiel an dem neue Verwertungsstrukturen ansetzen können. Die Eliten begreifen, dass die besten Produzenten des Spektakels die Menschen selbst sind. Menschen wetten, sammeln, ordnen, verkaufen und sind im Groben keine Individuen mehr sondern teilbare Akteure. Meine Wirtschaft, meine Representation, meine Kultur. Das Spielen im Sinne des Zen gewinnt neue ökonomische Dimensionen, denn an den Funken die an neuen Spielstrukturen fliegen, ob Wetten oder dem Herstellen von Kunst können Menschen verdienen. In welcher Währung auch immer. Die Wege und Strukturen eines globalen Spielens das unsere Arbeit ersetzt, werden die Macht einer zukünftigen Welt ausmachen. Wer filtern und Algorithmen zwischen den Akteuren manipulieren kann hat Einfluss auf Entwicklung. Weiters wird die globale Kultur stochastisch, es können Probesonden in die Massen geschoben werden, was sich aber daraus ergibt ist weitgehenst unkalkulierbar. Die Weltkultur als Labor, Subkulturen werden zu Petrischalen. Wir sind mit einer Welt vertraut in die man eine Kaffeetasse hineinsteckt und heraus kommt ein Darm. Einmal sogar kann ein Mensch einen Kontinent retten, indem er zur richtigen Zeit einen Maiskeim pflanzt. Übrig bleiben hier Magier, die mit ihrem Aberglauben richtig liegen, jedoch niemals wissen warum.
Rituelle Simulationen
In Polynesien gibt es heute noch Cargo Kulte, bei denen die ansässigen Stämme riesige Flugzeuggerippe aus Ästen bauen, Funkgeräte aus Holz schnitzen, rituelle Landebahnen in den Sand legen, mit Bambuspistolen bewaffnet in Reih und Glied marschieren und die Ankunft des Serviceman John Frum sowie Flugzeuge voller Wahren (cargo) erwarten. Wir nennen sowas sympathetische Magie und das oberflächliche Übernehmen von codes ohne tieferes wissen der Funktionsweise. Einst hatten US-Soldaten dort ihre Stützpunkte und erhielten Hilfspakete von Oben, besaßen Technologien die sie selbst nie verstehen würden… wir können schnell darüber schmunzeln, und bald stellen sich die Cargo Culte als ein Trojanisches Pferd in unserer Kultur selbst heraus. Nicht nur wegen der Massen an Touristen die tatsächlich nach Polynesien angeflogen kommen um die Einheimischen für die exotischen Spektakel womöglich mit iPods zu entlohnen. Sie indizieren eigene Codes und Werte (besonders die der Technologien) als rituelle Vektorengitter, nur dass sie im Fall der John Frumers eben anständiger funktionieren als so manches Interface, das uns die unendliche Komplexität beruhigend nachvollziehbar erscheinen lässt. Lasst uns weiter Symbole anhäufen, wählen gehen und Kunst machen -und den Urvölkern die technologischen Glasperlen teurer abkaufen als wir sie ihnen damals angedreht haben.
Die innere Zeit
Das Laufwerk dient uns als Prothese, eine Zeitprothese die uns Zeit als linearen Ablauf präsentiert. Wir haben keinerlei Sinnesorgane um Zeit direkt zu erfahren, nur durch Zustandsveränderung können wir uns marginal orientieren. Spuren sind hier Indikatoren. Maschinen übernehmen für uns diese Aufgabe, die Mechanik ermöglichte es ganze Gesellschaften danach zu synchronisieren. Zeit als spürbares Phänomen einer permanenten Verletzung des Körpers. Die innere Zeit wird durch körperliche Verwundung von einer äußeren getrennt. Sie bleibt für immer unter Verschluss. Die Synchronisation des Menschen kommt aber immer mehr aus der Mode, die eigene, innere Initiative muss nun nutzbar gemacht werden. Wer den Tag nicht spürt hat vielleicht nicht ausreichend getan um reichhaltige Möglichkeiten zu nutzen. Zeit wird ein Raum, kein Ablauf mehr, der aber durch neue Methoden nutzbar gemacht wird um sie im Interesse anderer zu verwerten. Die innere Zeit wird ein öffentliches, auch wirtschaftliches Gut.
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